Vereinsanlass
Freitag, 16. Januar 2026, 19:00 UhrWeitere Informationen zu diesem Anlass
Anmeldungen bitte bis 10. Januar 2026 an Martin Henzen (martin.henzen@gmail.com)Bericht
Als wir auf dem Simplon ankamen, herrschte herrliches Wetter. Schneefall, Nebel und die berühmt- berüchtigte „Guxa“ … Ja, ja, es herrschte wirklich ein herrliches Fonduewetter! Der Schulungsraum war bereits warm, die Apéro-Gläser standen bereit und die Brotwürfel waren sauber geschnitten. Alles war also bereit für den Vereinsabend, der zugleich der allererste Besuch in der Sternwarte im Jahr 2026 war. Um 19 Uhr waren wir jedoch nur zu viert und Martin fragte sich schon, ob er das Datum falsch kommuniziert hatte. Doch nein, die Strassen- und Wegbedingungen hatten den Anmarsch etwas verlangsamt. Gegen 19:20 Uhr waren schliesslich alle da und mit einem Glas in der Hand. Zum Wohl und verspätete Neujahrsgrüsse! Dann verschwanden Madlène und Martin in die Küche. Wie es heisst… „chli stinke müess es“. Bald standen die drei gut gefüllten Caquelons auf den Tischen. Also los! Draussen heulte die Guxa, drinnen herrschte die beste Hüttenstimmung.
Nach dem Hauptgang hielt Martin einen Kurzvortrag, der auf Berechnungen aus seiner Jugendzeit basiert und Folgendes zeigen soll. Durch Gezeiten, Reibung und andere Effekte verlangsamt sich die Rotationsgeschwindigkeit der Erde. Betrachtet man jedoch das System Erde-Mond, so besagen physikalische Gesetze (Erhaltung des Drehimpulses), dass sich der Mond von der Erde entfernen muss. Bei der ersten Mondlandung wurde ein Laser-Reflektorspiegel installiert und heute wissen wir, dass sich der Mond tatsächlich um rund 4 cm pro Jahr von der Erde entfernt. Das ist zwar nicht viel, aber man muss in astronomischen Zeiten denken: Es sind 4 Meter pro Jahrhundert und 40 Kilometer pro Million Jahre, und das ist nicht nichts! Martin und seinen Studienkollegen kamen also zu dem Schluss, dass dieser Prozess solange andauert, bis sich die Rotationsgeschwindigkeit der Erde und die Umlaufgeschwindigkeit des Mondes gleich sind (also eine gebundene und synchronisierte Rotation, wie wir sie von Pluto und Charon kennen … aber damals war Charon noch nicht entdeckt worden). Sie rechneten a) die Rotationsgeschwindigkeit und b) den Abstand Mond-Erde bei dieser Gleichgewichtsituation aus.
Die Berechnungen ergaben Folgendes: Die Rotation des Systems wird etwas mehr als 52 Tage dauern und der Abstand zwischen Erde und Mond wird um gut 50 % auf ca. 550.000 km zunehmen. Das heisst konkret, dass ein Tag auf der Erde nicht mehr 24, sondern rund 1 250 Stunden dauern wird. Eine Hemisphäre wird immer den Mond am Himmel sehen, die andere nie. Totale Sonnenfinsternisse wird es nicht mehr geben. Die klimatischen Konsequenzen und migratorischen Bewegungen, um den Mond sehen zu können, wären natürlich katastrophal. Aber keine Panik: Die Berechnungen zeigen auch, dass dies erst in ein paar 100 Milliarden Jahren passieren wird. Eigentlich würde, weil bis dahin weder Sonne noch Mond noch Erde existieren werden. Aaaah, alle waren sichtlich erleichtert!
Nach dem Vortrag gab es noch eine Runde Kaffee mit der legendären Rüeblitorte von Madlène als Dessert. Anschliessend wurde geplaudert, Pläne geschmiedet und natürlich abgeräumt und wieder Ordnung geschaffen. Gegen 23 Uhr wurde die Sternwarte geschlossen. Auf dem Rückweg wurden die drei Wegmarkierungspfosten an den gewünschten Orten angebracht. Später als sonst, aber bisher gab es zu wenig Schnee, um diese Pfosten einstecken zu können.
Anwesend waren Madlène und Martin, die Gastgeber des gelungenen Abends, denen wir hier herzlich danken, sowie Yvette, Alma, Rudi, Remo, Robert, Arnold, Hanspeter und Claudio. Eigentlich hätte auch ein Reporter von Kanal 9 anwesend sein sollen, um ein Interview über die astronomischen Ereignisse des Jahres zu führen. Rudi hat ihn zwar auf dem Parkplatz empfangen, aber bei solchen Wetterbedingungen ist die Sternwarte mit Turnschuhen leider nicht erreichbar. Rudi hat ihm deshalb dringend empfohlen, zurückzukehren. Im Hochwinter auf 2000 m ü. M. braucht man die entsprechende Bekleidung, sonst geht nix. Und das ist keine Fake News!
- Claudio Abächerli





