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SOHO

Die Nasa legt eine Pannenanalyse über das Verschwinden des Weltraumteleskops vor.
Von HARRO ALBRECHT

Im Juni kam der Nasa das Weltraumteleskop SOHO abhanden. Anfang August tauchte die Raumsonde wieder auf. Jetzt ist das kränkelnde Vehikel genesen und die Zeit reif für eine harsche Manöverkritik.

Nichts geht verloren

Nichts geht wirklich verloren auf dieser Welt. Das gilt offenbar für Autoschlüssel und Pässe ebenso wie für eine Milliarden Dollar teure Raumsonde. Allmählich beginnt sich das wiedergefundene «Solar and Heliospheric Observatory» (SOHO) von seiner beinahe tödlichen Raumkrankheit zu erholen.

Sonnenbeobachtung

Der 1995 zur Sonnenbeobachtung gestartete Satellit hat in den letzten drei Jahren ohne Fehl und Tadel funktioniert. Das Ergebnis: erstmalig Aufnahmen von Sonnenbeben und gewaltigen Plasmaströmen, die von der Sonne zur Erde sausen. Die Wissenschaftler waren so begeistert, dass sie SOHO bis zum Jahre 2003 auf weitere Runden um die Sonne schicken wollten.

Das Aus

Dann das: Zwei Kompasssysteme versagten, und das Bodenpersonal knipste das funktionierende Reservesystem aus. SOHO geriet ins Trudeln. Als der Satellit dann auch noch die Sonnensegel vom energiespendenden Zentralgestirn wegschwenkte, wurde es wirklich zappenduster. Dem Gefährt ging der Saft aus. Am 25. Juni stellte sich SOHO stumm und taub und verschwand vom Bildschirm.

Wieder gefunden

Am 27. Juni konnte ein riesiges Radioteleskop den verlorenen Satelliten erspähen, und sechs Tage später murmelte das fliegende Messinstrument zumindest wieder. Zunächst nur ein zusammenhangsloses Datengestammel, dann verständliche Zustandsberichte. Anscheinend ist kein System beschädigt. SOHO sei "von den Toten wiederauferstanden", titelte letzte Woche die «New York Times».

Der Mensch

Dass der Zwischenfall auf das Konto des Bodenpersonals ging, stand schnell fest. Doch damit gab sich die Nasa nicht zufrieden, sie fertigte einen detaillierten Pannenbericht an. Fazit: "Die Kommission ist zum Schluss gekommen, dass es an Bord von SOHO keinerlei Anomalien gegeben hat." «Überlastetes Personal» und eine «benutzerunfreundliche» Datenanzeige seien verantwortlich für die Beinahe-Katastrophe. Niemand hatte bemerkt, dass einer der Kreiselkompasse noch abgestellt war, während zu Testzwecken weitere Kommandos zum Satelliten geschickt wurden. In einer Kettenreaktion schalteten sich der Reihe nach weitere lebenswichtige Systeme ab. Anstatt sofort Notmassnahmen einzuleiten, zogen die SOHO-Techniker weiterhin stur ihr Diagnoseprogramm durch. Das Desaster nahm seinen Lauf.

SOHO
Die Sonne – gesehen von SOHO

Wie weiter?

Der nächste Schritt zur vollständigen Genesung von SOHO war das Instandsetzen des eingefrorenen Antriebs. Mit Hilfe von Heizspiralen wurde der frostige Treibstoff Hydrazin erhitzt. Am 5. November 1998, 133 Tage nach dem Zwischenfall konnte SOHO den Betrieb wieder vollständig aufnehmen. SOHO ist nach wie vor das Flaggschiff der Sonnenforscher. Die Mission wurde im November 2012 bis Dezember 2014 verlängert.

Quellen

  • SonntagsZeitung, 6. September 1998
  • Wikipedia - Solar and Heliospheric Observatory

Autor

Robert Glaisen

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